Sieben Millionen Bairische Wörter und erste Nachkriegsausgabe der Süddeutschen Zeitung Besuch beim Bayerischen Wörterbuch und dem Druckzentrum der SZ Mehrere Mitglieder unseres Vereins besuchten Ende Juni Prof. Antony Rowley, den Leiter des Projektes „Bayerisches Wörterbuch“ an seinem Arbeitsplatz, in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW). Diese wurde 1759 gegründet und ist in einem Gebäude der Münchner Residenz also mitten in München untergebracht. Ein Schwerpunkt der BAdW ist die Langzeitforschung. In mehr als 60 Projekten betreibt sie Grundlagenforschung in den Geistes- und Naturwissenschaften, darunter befinden sich wissenschaftliche Wörterbücher, Editionen und Messreihen, die unser kulturelles Erbe sichern und die Basis für weiterführende Forschung liefern, unter anderem auch das “Bayerische Wörterbuch“. Der Projektleiter gab uns einen umfassenden Einblick in seine Arbeit. Das Bayerische Wörterbuch ist

Eva Kerschbaumer überreicht Prof. Rowley das
Buch "Ausgesprochen Bairisch" von Hans Kratzer

eines der ältesten Forschungsprojekte an der BAdW überhaupt. Die mit der Herausgabe des Wörterbuchs beauftragte „Kommission für Mundartforschung” wurde bereits im Jahr 1911 gegründet Von 1913 an wurde systematisch Sprachmaterial aus allen bairischsprachigen Gebieten Bayerns gesammelt. Es wurden Fragelisten verschickt und zum Teil wurde das Material in direkter Befragung der Gewährsleute an Ort und Stelle erhoben. Dazu wurde auch zeitgenössische und historische Literatur ausgewertet. Die Bestände enthalten ca. sieben Millionen Belege. Außer den Wörterlisten, die mittlerweile digital abgerufen und bearbeitet werden können, ist das Material „verzettelt“. Es ist das Ausgangsmaterial für das „Bayerische Wörterbuch“, das inzwischen mit dem Heft 23 beim Buchstaben E angelangt ist. Die Fertigstellung ist zum Jahr 2065 geplant. Das Projekt verfügt über vier wissenschaftliche Mitarbeiter- und eine Sekretariatsstelle. Ein ehemaliger Mitarbeiter im Ruhestand arbeitet noch überwiegend ehrenamtlich am Wörterbuch mit. Wir haben zwar seit langem von dem „Bayerischen Wörterbuch“ gewußt; wie es entsteht und wieviel Arbeit dazu notwendig ist, haben wir erst bei dieser Gelegenheit erfahren. Als kleines Dankeschön haben wir Herr Prof. Rowley ein Körberl mit allerlei Essbarem aus dem Chiemgau überreicht und von Eva Maria Kerschbaumer bekam er Hans Kratzers „Ausgesprochen Bairisch“.

Das aufmerksame Zuhören hat hungrig gemacht, und so sind wir Mittag beim Franziskaner eingekehrt. Prof. Rowley hat uns bei Weißwürsten und Weißbier weiter Rede und Antwort gestanden, bevor wir uns auf den Weg zum Süddeutschen Verlag und dem Druckzentrum der Süddeutschen Zeitung gemacht haben.

Unsere Vereinsmitglieder zusammen mit Prof. Rowley vor der
"Bayerischen Akademie der Wissenschaften"


Den Besuch beim Druckzentrum hatte Frau Evi Kerschbaumer, Vereinsmitglied und Mitarbeiterin bei der Süddeutschen Zeitung eingefädelt. Hier konnten wir unter fachkundiger Begleitung den besonders schwierige Vordruck- bzw. die Andruckphase der Zeitung miterleben. Hier ist vorauszuschicken, dass sich der Zeitungsdruck in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt hat. Er ist weitgehend automatisiert und erfolgt heute im Rollenoffsetdruck. Aufgrund des Farbdruckes und der hohen Geschwindigkeit von ca. 50 km/h, mit der die Papierbahnen durch die Druckmaschine laufen, werden ganz besondere Anforderungen an das Bedienungspersonal gestellt. Der Maschinenführer hat sich vom handwerklichen Drucker zum Druckmanager am Leitstand der Maschine entwickelt. Vor allem die Andruckphase erfordert seine volle Aufmerksamkeit und ganzen Einsatz. Die Farben müssen genau abgestimmt und eingestellt werden, wobei die Probeexemplare mit normaler Druckgeschwindigkeit gedruckt werden. Bis die Zeitung perfekt ist und endgültig in Druck gehen kann, werden mehrere Tausend Exemplare über die Bänder und zu den bereitgestellten Abfallcontainern gejagt. Wenn der Druck einmal läuft, kann er nicht unterbrochen werden, z. B. für den Nachschub von Papier. Es werden Papierrollen mit einem Gewicht von 1,5 t verarbeitet. Wenn eine Rolle zu Ende geht wird automatisch die nächste zugeführt und der Anfang der neuen Rolle wird mit dem Ende der alten bei voll laufendem Betrieb elektronisch gesteuert, nahtlos miteinander verbunden. Die SZ hat etwa 20 verschiedene lokale Ausgaben, z. B. für München Stadt, Münchener Umland, Starnberg, Ebersberg-Erding bis hin zu den Ausgaben für die Bundesländer und einer Fernausgabe. Noch während die Druckmaschinen laufen, warten vor dem Druckereizentrum schon die Transportfahrzeuge, die die SZ vom nächsten Tag an ihren Bestimmungsort bringen. Der Urlauber an der Adria kann die SZ am nächsten Tag mitnehmen, wenn er beim Bäcker seine Semmeln holt. Natürlich bekamen wir ein Exemplar der neu gedruckten Zeitung mit heim. Aber nicht nur das, wir bekamen auch einen Nachdruck der ersten Ausgabe der SZ nach dem Krieg mit Datum vom 6. Oktober 1945 und die ist mehr als 70 Jahre später hochinteressant und lesenswert. Sie enthält z. B. den Satz: „ Die Süddeutsche Zeitung wird durch ihren Erscheinungsort München verpflichtet, aus dem süddeutschen, insbesondere bayerischen Geschichtsbewußtsein leben und in Ablehnung eines öden, undeutschen Zentralismus einen kräftigen, den besten Überlieferungen verbundenen Föderalismus vertreten.“ Wir hoffen, dass die SZ-Redakteure diesen Satz auch heute noch kennen?