Leserbrief aus Wales

Swansea, den 31. Juli

 

Lieber Vian

Ich habe mich sehr gefreut, deinen lieben Brief mit den beigefügten Zeitschriften (Anm. der Red.: Es handelt sich um die Zeitschrift „Bairische Sprache“) zu erhalten. Diese Zeitschriften sind Schatztruhen literarischer und sprachlicher Leckerbissen. Ich war aber ganz erstaunt zu lesen, daß ausgerechnet die Bayern um den Fortbestand ihres Dialekts bangen müssen. Das hätte ich nie gedacht, weil die Bayern sehr stolz auf ihre Identität sind.

Weiterlesen: Leserbrief aus Wales Swansea

BS e.V. • Obere Bichlstr. 5 • 83278 Traunstein

Herrn Hans Kratzer

Süddeutscher Verlag

Hultschinerstr. 8

81677 München

                                                                                                                                                                          Traunstein, den 23.12.2017

Grüß Gott Herr Kratzer,

mit Interesse habe ich Ihren Bericht in der SZ vom 22.November zur Situation der bairischen Sprache gelesen. In vielen Punkten haben Sie recht. Erlauben Sie, dass ich unsere Meinung dazu sage. Der Sprachverfall unterliegt keinem Naturgesetz, sondern hier spielen andere Kräfte eine Rolle, gesellschaftliche Verhältnisse, Mobilität, kulturelles Bewusstsein, Sprachwissen, Wertschätzung einer Sprache, etc. und da wäre einiges zu beeinflussen. Seit dem ausgehenden Mittelalter waren die Deutschen auf der Suche nach einer einheitlichen Sprache. Nach dem Aufklärer und Sprachnormierer Gottsched (1700 -1766) war da nicht eine bestehende Sprache zum Vorbild zu erheben, sondern eine „Kunstsprache“ als übergreifende Norm zu schaffen. Für nachahmenswert erklärte er dabei, die gesprochene Sprache der „Vornehmen und Hofleute in der Hauptstadt eines Landes“, also weder die ländliche Mundart noch die Sprachform des städtischen Pöbels – so Gottsched. Allerdings könne eine gesprochen Sprache keine Norm sein, so dass man die „Werke der besten Schriftsteller zu Hülfe nehmen müsse“.

Weiterlesen: "Tschüss Bairisch" - unsere Reaktion auf den Bericht in der SZ vom 22. Nov. 2017 v. Hans Kratzer

Wir haben uns mit einem Brief am 17.2.2017 an Kultusminister Dr. Spaenle gewandt; der Brief ist in der letzten Ausgabe unserer Zeitung nachzulesen.Brief an Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle

Unser Schreiben bezog sich im Wesentlichen auf eine Untersuchung von Prof. Peter Maitz an der Uni Augsburg. Er kam insbesondere zu dem Ergebnis, dass die Schulbücher

- Weiter Dialekte als Sprachbarrieren hinstellen,

- Ein norddeutsches Hochdeutsch bevorzugen und

- Weiter die Vorurteile gegen den Dialekt stärken,indem sie ihm nur Nischen zuweisen und als untauglich für die Alltagskommunikation, die Arbeitswelt   und die Öffentlichkeit hinstellen.

Wir haben darum gebeten sicherzustellen, dass Schulbücher beschafft werden, die dem Kulturauftrag zur Erhalt unserer Sprache gerecht werden. Das Kultusministerium hat darauf geantwortet und wir möchten aus dem langen Schreiben den Abschnitt der die Schulbücher betrifft, hier wiedergeben.

Auszug aus dem Brief von Kultusminister Spaenle vom 13. April 2017

Die Entwicklung neuer Schulbücher liegt in der Hand der Schulbuchverlage, die für deren Inhalte verantwortlich sind. Allerdings haben sie sich an einen umfassenden Kriterienkatalog zu halten. Die zentrale Grundvoraussetzung stellt dabei die Erfüllung des Lehrplans dar, d. h. auch die Berücksichtigung des Themas Dialekt in den jeweiligen Fächern und Jahrgangsstufen. Lernmittel haben darüberhinaus den fächerübergreifenden Auftrag zur Pflege der deutschen Sprache zu berücksichtigen, wobei der süddeutsche Sprachstandard leitend sein soll. Bevor eine Verlagspublikation als Schulbuch in Bayern förmlich zugelassen wird, wird es sorgfältig durch das Bayerische Staatsministerium für Bildung, Kultus, Wissenschaft und Kunst geprüft. Eingereichte Prüfstücke werden u. a. von zwei vom Staatsministerium ausgewählten und bestellten Sachverständigen unabhängig voneinander anhand von vorgegebenen allgemeinen und fachspezifischen Kriterien begutachtet (Kriterienkataloge im Internet unter https://www.km.bayern.de/lehrer/unterricht-und-schulleben/lernmittel.html) Das Staatsministerium wird auch bei den zukünftig eingereichten Schulbüchern besonders auf diese landestypischen Aspekte achten, um mögliche Tendenzen in Richtung einer diskriminierenden Darstellung zu vermeiden.“

Diese Antwort liest sich nicht schlecht. Es bleibt aber ein offensichtlicher Widerspruch zu dem Untersuchungsergebnis von Prof. Maitz.

Mitgliedsnummer 1000 erreicht. Seit seiner Gründung im Jahr 2001 sind mehr als 1000 Mitglieder unserem Verein „Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn e.V." beigetreten.

Paul und Christine Oberemeier                  cw

Die Mitglieder mit den Nummern 999 und 1000 sind Paul und Christine Obermeier (s. Foto) aus Stein a. d. Traun, die wir hiermit herzlich begrüßen. Die aktuelle Mitgliederzahl weicht natürlich von den Mitgliedsnummern ab. Aktuell haben wir einen Mitgliederstand von ca. 800.     

                                                                      

                                                                                                                               

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

vor dem Hintergrund, dass die Hälfte aller Sprachen vom Aussterben bedroht ist, haben die

Vereinten Nationen den internationalen Tag der Muttersprache als Gedenktag ausgerufen

und auf den 21. Februar festgelegt. Aus diesem Anlass möchten wir uns an Sie wenden.

Weiterlesen: Brief an Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle